© 2019 Christoph Brosius, Berlin

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Komplexe

Haltung

Substantiv, feminin [die]

  • Innere [Grund]einstellung, die jemandes Denken und Handeln prägt

  • Verhalten, Auftreten, das durch eine bestimmte innere Einstellung, Verfassung hervorgerufen wird

  • Beherrschtheit; innere Fassung

nachdenklich

Mir ist in den letzten Jahren etwas aufgefallen.

Egal ob im Konferenzraum, im Klassenzimmer oder auf der Bühne:

Alle werden immer ichbezogener.

Es geht zunehmend weniger darum, was andere brauchen.

Es geht immer mehr darum, was gut für einen selbst ist.

 

Und scheinbar befeuert vieles diesen Trend:

Unternehmen werden nutzerzentrierter,

damit sie mehr Kunden glücklich machen.

königlich

Auf den ersten Blick scheint das eine gute Entwicklung zu sein. Die Welt liegt uns immer mehr zu Füßen. Der Kunde wird König. Das erinnert mich an meine Kindheit, denn ich bin im Einzelhandel groß geworden und Dienstleistung ist Teil meiner DNA.

Da bin ich durchaus erschrocken, als ich jetzt lesen konnte, was ich schon länger selber wahrgenommen habe:

Der Kunde ist heute nicht nur König, sondern Kaiser:

Kassierer und Verkäufer berichten: "Seit ich im Einzelhandel arbeite, hasse ich Menschen"

bedenklich

Jeder kann sich heute bedienen lassen, wie es einst nur die Reichsten tun konnten:

 

  • Jede Ware wird auf digitalen Zuruf bis an die Haustür geliefert. Sofort.

  • Mein Brotaufstrich oder Softdrink trägt auf Wunsch meinen Namen. Umsonst.

  • Kleidung wird für mich persönlich kuratiert. Stilsicher.

  • Fahrer kutschieren mich ans Reiseziel. Jederzeit.

  • Die Liste ist endlos …

 

Jedes frühere Privileg ist heute ein Gemeingut geworden. Mit soviel Macht muss man aber auch umgehen können. Das gilt für den heutigen Konsumenten ebenso wie für die frühere Königin.

 

Mir scheint, dass es da eine Verbindung gibt.

 

Je mehr wir bedient werden, desto weniger denken wir über andere nach.

Wir verlernen es Rücksicht zu nehmen und selbstlos zu sein. Unsere Haltung wird immer weniger demütig.

 

Spannend: Demut bedeutet den Mut zu haben anderen zu dienen.

löslich

Wenn ich diesen Mangel meine zu erkennen, dann drängt sich eine Frage auf:

Wie könnte Demut in meinen drei Tätigkeitsfeldern aussehen?

Ich habe dazu eine klare Haltung:

Jedes Unternehmen sollten den Menschen dienen, nicht die Menschen den Unternehmen. Sie könnten dazu da sein den Menschen zu helfen ihr Potential zu entfalten. Das dient dem Mitarbeiter.

Jede Schule sollte vor allem Haltung vermitteln, nicht totes Wissen eintrichtern. Wir brauchen kreative Köpfe zur Lösung komplexer Probleme. Das dient der Gesellschaft.

Jede Auszeichnung sollte nicht leicht zu haben sein. Wir brauchen mehr Wertschätzung für wirklich erbrachte Leistung, auf die man stolz sein kann. Das dient dem Preisträger.

Diesen Mut zum Dienen zu haben entspringt einer Haltung, die mich interessiert. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht. Wer lebt denn so? Und warum? Kann man diese Haltung lernen und wenn ja, wie und wo denn?

Bei meiner Suche bin ich darauf gestossen, dass es seit 1970 einen Namen für diese Haltung gibt. Man nennt sie Servant Leadership.