© 2019 Christoph Brosius, Berlin

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Servant Leadership

Dinner for One ist vielleicht der am meisten gesehene Managementfilm.

 

Dabei ist den meisten Zuschauern sicher nicht bewußt, dass sie jedes Silvester eine kleine Fortbildung in Servant Leadership genießen.

 

"Same procedure as last year, Miss Sophie?" mutet unterhaltsam an, aber dahinter steckt eine klare Haltung.

Servant Leadership ist eine "Philosophie der Führung" bei der das oberste Ziel das Dienen ist.

Damit ist dienende Führung eine Gegenthese zum klassischen Fokus auf das Wohlergehen der Firma. Je höher der Rang in der Organisation ist, desto mehr Menschen sollte man dienlich sein.

Auf Deutsch:

Servant Leader steigen die Karriereleiter hinab statt hinauf. Das stellt den Machtbegriff der Führung komplett auf den Kopf.

Servant Leader kann man vor allem an diesen Verhaltensweisen erkennen:

  • Macht wird geteilt. Ok, hatten wir schon.

  • Die Bedürfnisse der Mitarbeiter kommen vor den eigenen. Pyramiden-Kopfstand.

  • Menschen wird geholfen sich zu entwickeln um ihr maximales Potential zu entfalten. Gerald Hüther grüßt.

Als erster hat Robert Greenleaf den Begriff beschrieben und geprägt. Und das bereits im Jahr 1970!

Man muss nicht alle Bücher von und über Greenleaf lesen um seine 50 Jahre alte Idee zu verstehen. Aber es hilft.

Der Organisationsentwickler und Führungsexperte Dr. Jim Lemoine hat sie alle gelesen und dienende Führung zu seinem Thema gemacht. Erstaunlich unterhaltsamer Wissenschaftler. Man merkt, dass er mal Radiomoderator war.

 

Zu seinen Forschungsergebnisse gibt es zwei Videos von ihm. Es lohnt sich ihm die eine Stunde zu schenken, aber auch die 5 Minuten Kurzfassung ist sehenswert.

5 Minuten Crashkurs

1 Stunde Webinar

Seine Definition ist (in meiner Übersetzung) diese:

Servant Leadership sind demütige, ethische und beziehungsbasierte Verhaltensweisen, deren Ziel der nachhaltige und sinnstiftende Fortschritt für alle Stakeholder ist.

Über Demut habe ich bereits viel gesagt. Ethisches Verhalten trifft dabei den Kern sehr gut. Laut Lemoine sind das vertrauenswürdige, ehrliche und faire Handlungsweisen, bei denen nicht nur an die Shareholder gedacht wird. Es geht also nicht nur um eine eindimensionale Profitmaximierung, sondern die Berücksichtigung aller Interessenparteien. Das Handeln soll den Mitarbeitern, den Kunden, der Gesellschaft und den Gesellschaftern zu Gute kommen. Heute, morgen und auch noch übermorgen.

Seine und andere Studien belegen: Kümmert sich eine Firma dank Servant Leadership weniger um die Profitabilität, wird sie am Ende profitabler und erreicht Ziele besser! Servant Leadership sei reiner Zielorientierung und "ethisch-neutraler" Führung weit überlegen. In der Generation meiner Eltern war das noch der ehrbare Kaufmann.

Lemoine nennt eine ganze Reihe an nachgewiesenen Effekten, die andere Autoren so und so ähnlich spiegeln:

  • Die Leistung der Mitarbeiter steigt - oft sogar weit über die Erwartung hinaus.

  • Gleichzeitig steigt die Zufriedenheit der Menschen, während die Fluktuation sinkt.

  • Die Kollegen zeigen mehr Hingabe und stetigere Leistung.

  • All das wird getragen von deutlichem Vertrauenszuwachs.

  • Der Wille zur Kooperation steigt.

  • Scheitern geht schöner: Niederschläge können besser verknackt werden.

Besonders spannend sind diese beiden Forschungsergebnisse:

  1. Wer Servant Leadership bei einem Vorgesetzten erlebt, wird selbst sehr wahrscheinlich ebenfalls diese Führungshaltung übernehmen. Mit gutem Beispiel voran zu gehen hat dadurch automatisch einen nachhaltigen Effekt.

  2. Die dienende Führung ist für Frauen erfolgreicher einzusetzen als für Männer. Schlicht weil es ihrem Wesen mehr entspricht. Eine wahre Legitimation nicht nach den etablierten, maskulinen Regeln spielen zu müssen.

Und welche Verhaltensweisen sind das, die dem Weiblichen näher stehen als dem Männlichen? Weil Greenleaf genau an dieser Stelle ein wenig unscharf geblieben ist, existieren verschiedene Interpretationen. Lemoine beschreibt im Grunde meine Mutter:

  • Wisse wovon du sprichst und sei informiert.

  • Sei empathisch und handle ethisch.

  • Sei ein guter Bürger der Gesellschaft.

  • Knüpfe starke Beziehungen.

  • Ermächtige andere und hilf ihnen zu wachsen und erfolgreich zu sein.

Ich fasse in meinen Worten und nur leicht überspitzt zusammen:

Sei kein Arschloch und führe so wie es eine Frau intuitiv tut,

damit es am Ende allen besser geht und nicht nur dir selbst.

Wer doch mit mehr Niveau und vor allem noch tiefer einsteigen will:

Robert Greenleaf war als alter AT&T Berater und Vordenker ein Mann von ganz anderem Temperament als Jim Lemoine. Leicht schelmisch, aber sehr bedacht.

 

Es gibt tatsächlich noch eine kleine Reportage über und vor allem mit ihm persönlich. In 4:3 und mit VHS Bandrauschen inklusive.

Eigentlich ist das Thema uralt, im Grunde sogar biblisch. In jeder Religion findet sich sicher auch etwas zur Demut. Oft wird Servant Leadership deshalb religiös abgestempelt. Zu Unrecht. 

 

Heute wird das Thema wieder verstärkt nachgefragt. Eine Erklärung liefert die Popularität von Begriffen wie #NewWork.

An den Suchanfragen zur neuen Arbeit sieht man gut wo in Deutschland der neue Wind schon stark weht und wo noch Flaute ist.

Der dienenden Führung, oder anders ausgedrückt der demütigen Haltung von Managern, wird auch in der Presse immer Raum gegeben.

Mehr Mut zur Demut in der Führung

Demut ist die Tugend, die Führungskräfte heute am meisten brauchen. Zu häufig ist der heroische Manager, dem jede Selbstrelativierung zutiefst fremd ist. Doch er verkennt das Wesen seiner Aufgabe: Führen heißt dienen.

Welt, 01. Januar 2019 

Die Welt reiht sich da prima ein in eine lange Liste von Medien, die alle ins gleiche Horn stoßen. Servant Leadership ist heute mehr gefragt als jemals zuvor. Es lohnt sich allein schon die Überschriften zu überfliegen:

Adopting a 

Servant Leadership Mentality In 2019

Forbes

7.2.2019

Dienende Führung befriedigt

Wirtschaftspsychologie aktuell

19.2.2019

Why Isn’t

‘Servant Leadership’ More Prevalent?

Harvard Business School

1.5.2013

Coca-Cola donates $1M to CSU to create servant leadership center

Ledger-Enquirer

7.5.2019

XING hat in den letzten Jahren #NewWork für sich als Jobportal gut besetzt. Natürlich hat man dort vor allem auch die unterschiedlichen Generationen im Blick.

 

Es lohnt sich insbesondere auf die jungen im Berufsleben zu schauen, die Generation Y (geboren in den frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren).

 

Für diese Chefs von morgen schaut der ideale Chef von heute so aus:

offen, ehrlich, unterstützend.

Veränderung braucht Druck sag ich immer. Und ich glaube so schaut Druck aus für viele Führungskräfte von heute.

Jetzt kann man erwidern: Was soll der Mumpitz? Ich lasse mir doch nicht von Greenhorns und einem Greenleaf erzählen, dass ich mein Machtverständnis überdenken soll. Da könnte ja jeder kommen.

Auch gut – hören wir uns dann kurz noch Ken Blanchard an. Ich und gut 13 Millionen andere haben seinen „1 Minuten Manager“ im Bücherregal.

 

Er ist ein großer Verfechter der dienenden Führung und wird nicht müde darüber zu sprechen. Vor allem hat er einige sehr gute Beispiele aus der Praxis parat, die den Mehrwert ganz einfach und ohne Schnörkel erlebbar machen.

Nach diesem Video habe ich mich gefragt: Wo kann man denn solche Servant Leader treffen, von denen Blanchard spricht.

 

Seither begegne ich ganz gezielt Menschen, die den Mut zum Dienen haben.